Ursprünglich wollte unser Hauswart, Patrick Vogel, die Rabatten rund um das Schulhaus ökologisch aufwerten, mehr Biodiversität hineinbringen und hierzu einen Anlass organisieren. Kurz darauf kam der Aufruf, am Clean-up-day mitzumachen und Abfälle einzusammeln. Gleichzeitig war es der Arbeitsgruppe «Zusammenleben in Studen» ein grosses Anliegen, die im März erarbeitete Charta «Zusammenleben in Studen» der Bevölkerung vorzustellen.
Der Gemeinderat beschloss, all diese Anlässe an einem einzigen Tag durchzuführen, um Synergien zu nutzen. Die verschiedenen Tätigkeiten hatten alle etwas mit Nachhaltigkeit zu tun. Denn Nachhaltigkeit umfasst ja bekanntlich die drei Säulen: Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft. Das Erstellen einer Ruderalfläche oder das Einsammeln von Abfällen, kommen der Umwelt zugute. Die Bemühungen, das Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu intensivieren, gehört in den Bereich «Gesellschaft». Dass uns zwei eritreische Frauen so lecker bekochten und der Gemeinde das Essen offerierten, brachte den Teilnehmenden einen ökonomischen Vorteil – so gesehen ist auch die dritte Säule der Nachhaltigkeit abgedeckt.
Hier ein Rückblick auf einen ereignisreichen Tag:
Biodiversität auf dem Schulhausareal
Unter fachkundiger Anleitung von Valérie Rossel und Adrian Rennert, wurde das Bandeli zwischen «blauem Schulhaus und Pausenplatz» zu einer Ruderalfläche umgestaltet. Eine Ruderalfläche besteht aus Kies, Schotter und Sand. Steinhaufen, Totholz und Asthaufen geben Struktur. Laut Wikipedia beherbergt eine Ruderalfläche eine sehr spezielle Lebensgemeinschaft von Pflanzen (Ruderalflora), Tieren und Pilzen, sogenannten Pionierarten. Für diese Tier- und Pflanzenarten ist dieses Gelände ein wichtiger Lebensraum. Um diese Fläche herzustellen, war viel körperlich anstrengende Arbeit gefragt.
Valérie Rossel rief dazu auf, auch im eigenen Hausgarten auf mehr Biodiversität zu achten und entsprechende Konzepte umzusetzen. Adrian Rennert bestätigte, dass sich sein Beruf als Gärtner in den letzten Jahren enorm verändert hat, weil man heute ökologische Aspekte höher gewichte als früher.
Kampf gegen Neophyten im Wald
Hauswart und Hauptorganisator, Patrick Vogel, entfernte mit seiner Gruppe invasive Neophyten im Wald. Das sind Pflanzen, welche absichtlich oder unabsichtlich eingeschleppt wurden und hier früher nicht «heimisch» waren. Sie sind deshalb problematisch, weil sie sich ungefragt ausbreiten und so einheimische Pflanzenarten zurückdrängen, was das ökologische Gleichgewicht durcheinanderbringt.
Insektenhotels und Blumentöpfe für Wildsträucher
Die Kinder- und Jugendarbeit Brügg und Umgebung hat mit den Kindern und ihren Eltern lustige Insektenhotels gebaut. Diese gewähren Wildbienen und anderen «Hohlraumbesiedlern» willkommene Nistmöglichkeiten. Auch wurden Blumentöpfe bunt angemalt und mit einheimischen Wildpflanzen bestückt.
Clean-up-day und water lover challange
Andere Gruppen zogen mit Leuchtwesten, Greifzangen, Handschuhen und Abfallsäcken ausgerüstet durchs Dorf und sammelten achtlos liegengelassene Abfälle zusammen. Zigarettenstummel sammelten sie separat in Petflaschen, weil sie sich so besser zählen (schätzen) liessen. Eine einzige Zigarette kann bis zu 1000 Liter Wasser verschmutzen. Sie enthält rund 5000 chemische Verbindungen, wovon mindestens 150 als hoch giftig gelten. Eigentlich komisch, dass die gesellschaftliche Akzeptanz immer noch so hoch ist, wenn jemand seine Kippe auf die Strasse wirft!
Eritreische Spezialitäten zum Zmittag
Am Mittag wurden die Anwesenden von Tiebe Mehari und Muna Tsehaye mit traditionellen eritreischen Speisen kulinarisch verwöhnt. Die meisten von uns zogen es vor, die Leckereien mit Gabel und Messer zu essen, obwohl man in Eritrea von Hand isst.
Charta «Zusammenleben in Studen»
Gemeinderat Roland Ludi stellte die Charta «Zusammenleben in Studen» vor. Sie beinhaltet jene Werte, die uns beim Zusammenleben wichtig sind, wie Offenheit, Respekt, Toleranz, Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft. Wer diese Werte teilen kann und mittragen will, durfte die Charta unterzeichnen. Die Charta liegt nun in der Gemeindeverwaltung auf. Anstatt die Werte in zig verschiedene Sprachen zu übersetzen, engagierte die Gemeinde Frau Marie-Luise Schneider. Die Improvisatorin und Tänzerin brachte uns diese Werte mit einer künstlerischen Performance (Mischung aus Tanz und Pantomime) näher. Sie erntete viel Lob – denn im Vorfeld konnte sich niemand vorstellen, wie man «Werte» tanzen kann.
Eröffnung «Grüessech-Woche»
Schöne Worte in der Charta genügen nicht. Die Werte müssen nach aussen getragen werden. Hierfür hat der Gemeindeschreiber, Oliver Jäggi, im Namen des Projektteams und des Gemeinderats die «Grüessech-Woche» eröffnet. Die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe gestalteten bunte «Grüessech»-Plakate, welche die Strassenränder von Studen schmücken. Sie sollten uns daran erinnern, dass wir uns wieder vermehrt grüssen im Dorf, auch wenn wir uns nicht mehr alle kennen. Denn mit dem Gruss nehmen wir unser Gegenüber wahr und zollen Respekt. Beim dritten oder vierten Gruss haben wir schon ein Lächeln auf den Lippen und beim fünften kommen wir vielleicht sogar ins Gespräch. Neue Bekanntschaften und bestenfalls sogar Freundschaften können entstehen.
Die Stimmung am Anlass war sehr gut. Trotz anstrengender oder teilweise etwas «gruusiger» Arbeit, waren alle bestens gelaunt und haben viel gelacht.
Text Patrick Vogel
Fotos Fritz Maurer


